Das gängige Bild, das die breite Öffentlichkeit von Menschen mit Behinderungen hat, ist oft geprägt von dem, was im Fernsehen gezeigt wird: in Unterhaltungssendungen mit prominenten Persönlichkeiten mit Behinderung, bei Sportveranstaltungen oder wenn ein „brandneues, super-robotisches“ Hilfsmittel vorgestellt wird.
Bei solchen Gelegenheiten wird dem Publikum meist nur das Endergebnis gezeigt – der Erfolg nach dem Sturm. Manche fühlen sich inspiriert, berührt, geerdet oder sogar gesegnet. Trotzdem sieht man selten den Prozess: die Monate, manchmal Jahre der Rehabilitation, die zum neuem Selbst des Patienten führen.
Ich hatte das Privileg, hunderte dieser Patientinnen und Patienten auf ihrem Weg begleiten zu dürfen und diesen Prozess mitzuerleben. Dabei wächst meine Bewunderung für sie immer weiter. Ganz still in meinem Kopf ziehe ich den Vergleich zwischen meinen großartigen Patient*Innen und jeder anderen Geschichte über die Entstehung eines Superhelden.
Diese unglaublichen Menschen haben unerwartete und traumatische Ereignisse erlebt, die sie durch einen unfassbar schweren Prozess der Neuorientierung geführt haben. Am Ende sind sie auf der anderen Seite mit bemerkenswerten und besonderen neuen Fähigkeiten hervorgegangen – sowohl körperlich als auch geistig. Ich sehe bei meinen Patient*innen wahre Superkräfte wachsen, die weder ich noch andere Menschen um mich herum besitzen. Ich habe das große Glück, Teil dieser wunderbaren Verwandlung zu sein. Ich fühle mich manchmal wie Alfred, der Butler, der Batman unterstützt – oder wie das Raumschiff, das Superman sicher durch das Universum zu unserem Planeten bringt.
Auch in diesen Geschichten kennen und sehen die meisten Menschen die Helden, aber nur wenige bekommen Einblick in die enormen Kämpfe, die harte Arbeit, die Rückschläge und die Ausdauer, das Lachen und die Tränen, die Bruce Wayne oder Clark Kent durchmachen mussten, um die Inspiration zu werden, die alle bewundern.
Meine Patient:innen sind meine wahren, echten Held:innen im Leben! Wir arbeiten monatelang zusammen, hören einander zu, klären Erwartungen und probieren oft Dinge aus, die es so vorher noch nie gab – alles, um den passenden „Umhang“ zu finden: die Prothese, Orthese oder ein anderes orthopädisches Hilfsmittel, das genau zu den Fähigkeiten, Bedürfnissen und Wünschen der Patient*Innen passt.
Außerdem ist damit noch lange nicht Schluss. Es ist zwangsläufig eine lebenslange Aufgabe. Die Arbeit mit einem Helden oder einer Heldin, die eine Prothese oder Orthese benutzen, ist ein stetiger Prozess von Anpassungen, Verbesserungen, Reparaturen und Überarbeitungen. Denn ihre Abenteuer im Leben gehen weiter und stellen ihre Hilfsmittel immer wieder vor neue Herausforderungen. Und genau dann sind wir da – als treue Sidekicks, die jeder Held und jede Heldin braucht.
Und genau deshalb habe ich das beste Job der Welt!


Die Zusammenarbeit mit Human Study hat es mir ermöglicht, Sidekicks – also Orthopädietechniker*Innen – aus aller Welt zu unterrichten, die vor Ort den Held*Innen helfen, aufzustehen. Ich habe inzwischen mit Studierenden aus Togo, Malawi, Tunesien, Syrien, Ägypten, Afghanistan, Jordanien und weiteren Ländern gearbeitet. Diese Ausbildung entfaltet eine enorme Wirkung: Ein Kurs bildet mehrere Fachkräfte aus, die Hunderten, wenn nicht Tausenden von Patientinnen helfen können.
Instabilität, Armut und Krieg erhöhen den unmittelbaren Bedarf an diesen Fachkräften. Gleichzeitig benötigen diese Patient*Innen lebenslange Betreuung, was den Bedarf an qualifizierten Fachkräften weiter steigen lässt. Leider sind es gerade die Regionen, in denen diese Expert*Innen am dringendsten gebraucht werden, in denen die Bedingungen und Möglichkeiten für ihre Ausbildung am stärksten fehlen.
Human Study hat fundierte, anerkannte und akkreditierte Ausbildungsprogramme entwickelt, die es diesen Fachkräften ermöglichen, ihre Kompetenzen weiter auszubauen, um den Patient*Innen bestmöglich zu helfen. Ich fühle mich sehr gesegnet, Teil dieses Teams zu sein, das sich auf alle Studierenden und Patient*Innen erstreckt, die wir kennenlernen und unterstützen dürfen.
Ich schätze, nicht alle Sidekicks tragen Umhänge, aber mit den entsprechenden Mitteln können sie Tausende von ihnen ausstatten und dabei helfen, die Helden zu entwickeln, die wir suchen und bewundern.
