Unsere Lehrerschaft: INES HORRICH

Ich bin Mama. Als ich mit der Ausbildung bei Human Study begann, war meine Tochter fünf und mein Sohn zwei Jahre alt. Heute sind sie Teenager. Bevor ich ins Human Study Programm einstieg, hatte ich drei Jahre Erfahrung als Orthopädietechnikerin mit einem nationalen Zertifikat. Human Study hat die tunesische nationale Ausbildung auf internationales Niveau gehoben. 2012 habe ich die ISPO Associate Prosthetist/Orthotist-Zertifizierung (vergleichbar mit dem Gesellenbrief) und 2015 die ISPO Prosthetist/Orthotist-Zertifizierung (vergleichbar mit dem Meisterbrief) erworben. Inzwischen habe ich 17 Jahre Erfahrung als Orthopädietechnikerin. Dass ich einmal das höchste Bildungsniveau in der Orthopädietechnik erreichen und zu den erfahrensten Orthopädietechnikerinnen in Tunesien gehören würde, hätte ich mir nie träumen lassen!

Meine Arbeit mit Human Study hat mein Leben um 180 Grad verändert! Jetzt habe ich die Möglichkeit, Menschen nicht nur in Tunesien, sondern auf der ganzen Welt zu unterrichten. Als ich meinen Bachelor gemacht habe, hatten die Ärzte in meinem Land nur wenig Ahnung vom Bereich Orthopädietechnik. Sie sahen viele Fortschritte in diesem Bereich außerhalb Tunesiens, aber wir hatten keine Ausbilder oder Lehrer im Land, die den Beruf weiterentwickeln konnten. An der Universität gab es viele technische Fächer wie Ingenieurwesen, aber keine Orthopädietechnik. Durch mein Studium habe ich Selbstvertrauen und Wissen gewonnen. Jetzt kann ich Fälle mit Ärzten besprechen, mein Wissen und meine Meinung einbringen und jede Patientenversorgung übernehmen.

Die Ärzte haben den Unterschied in der Qualität der Prothesen und Orthesen erkannt, die wir herstellen können. Jede Prothese oder Orthese, die sie im Internet sehen, können wir nachbauen. Wenn sie eine Versorgung brauchen, schicken sie uns einfach ein Foto, und solange wir die Materialien haben, fertigen wir das in der Klinik an. Selbst wenn es etwas Neues für uns ist, recherchieren wir dazu in Fachpublikationen und fertigen die Versorgungen entsprechend an. So haben unsere Ärzte großes Vertrauen in uns gewonnen. Der Wert unserer Erfahrung ist wirklich hoch. Manchmal bitten sie uns sogar, die Verordnung zu erstellen, und sie unterschreiben sie dann nur noch – genau umgekehrt zu früher!

Als Lehrerin für Human Study reise ich für Workshops in verschiedene Länder. Als arabische Frau ist es nicht immer einfach, das eigene Land zu verlassen, um sich weiterzubilden. Wenn man dann draußen ist, erlebt man andere Kulturen. Man muss sich anpassen. Und man kann so viel gewinnen, wenn andere einen als Frau akzeptieren. Manchmal überrascht man sie sogar! In arabischen Ländern merken sie oft nicht am Namen, dass ich weiblich bin, und wenn sie mich dann am Flughafen zum Workshop treffen, sind sie überrascht.

Orthopädietechnik ist kein einfaches Gebiet, es ist richtig anspruchsvoll. Es braucht einen handwerklichen Touch. Gleichzeitig muss man ein starker Techniker sein. Manche Arbeitsschritte sind richtig herausfordernd. Im ersten Jahr meiner Arbeit waren wir die erste Generation weiblicher Orthopädietechnikerinnen im Zentrum. Alle Mitarbeitenden dort waren Männer. Sie haben oft über uns gelacht und gesagt: „Wie wollt ihr denn Edelstahl oder Aluminium biegen?“ Aber ihr Gelächter hat uns nur noch stärker gemacht, weiterzumachen. Danach waren sie wirklich überrascht von unserem Niveau. Auch als wir dann in Thailand unsere Bachelor-Abschlussprüfungen hatten, waren sie beeindruckt von unserem Wissen.

Jetzt habe ich viele Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt, und wir teilen unser Wissen und unsere Erfahrungen. Es ist einfach großartig, Orthopädietechnikerin zu sein!. In Tunesien haben wir 4 ISPO Prosthetist Orthotists (vgl. Meister)– alle Frauen. Darauf bin ich richtig stolz. Ich freue mich sehr über diese Chance und habe viel mehr Selbstvertrauen bekommen. Wir sind ein erfahrenes Team und helfen uns immer gegenseitig bei der Lösung von Problemen. Das Tolle ist auch, dass wir jetzt bereits die fünfte Generation neuer Studierender auf dem Niveau Prosthetist Orthotists bilden.. Wir unterrichten an denselben Schulen, an denen wir zuvor studiert haben. Wir bilden Ausbilder für Tunesien aus. 74 Studenten haben ihr Studium in Tunesien abgeschlossen und arbeiten jetzt in Versorgungszentren (Sanitätshäusern).

In der 3. Generation hatten wir 2 Männer, ansonsten waren alle Studierende Frauen. In unserem Zentrum sind 80% der Mitarbeiter Frauen.

Meine Kinder sind auch stolz auf mich. Sie sprechen sehr gut Englisch und verstehen alles. Als ich zu Hause per Zoom unterrichtet habe, wollten sie manchmal sogar meine Aussprache korrigieren. Aber sie sind wirklich stolz darauf, dass ich auf Englisch unterrichten kann – das ist in Tunesien nicht selbstverständlich, wir sind eher an Französisch gewöhnt. Sie freuen sich, wenn ich in andere Länder reise, und helfen mir oft, wenn ich Kurse vorbereite. Sie ermutigen und unterstützen mich – das bedeutet mir sehr viel. Ich wünsche mir, dass eines Tages eines meiner Kinder selbst Orthopädietechniker*in wird.Ich liebe meinen Beruf und gebe immer mein Bestes für meine Patient*innen. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen. Manchmal kommen sie in die Klinik und möchten nur von mir versorgt werden. Wenn man Vertrauen in sich selbst hat, kann man ohne Einschränkungen geben.

Human Study ist in Ländern aktiv, in denen Orthopädietechniker*Innen dringend gebraucht werden:in denen Menschen unter schwierigen Bedingungen leben – etwa in Kriegsgebieten oder Regionen mit großen Herausforderungen. Es ist wichtig, dass jedes Land eigene Fachkräfte in der Orthopädietechnik hat, damit Patientinnen und Patienten direkt vor Ort versorgt werden können.
Viele dieser Menschen haben Krieg erlebt, sind traumatisiert und brauchen nicht nur körperliche, sondern auch seelische Unterstützung, um wieder ins Leben zurückzufinden. In solchen Situationen fehlt es oft an allem: Schulen sind geschlossen, Mütter und Väter haben ihre Arbeit verloren und können ihre Familien nicht mehr versorgen.

Ich war in Pakistan und habe dort Fälle gesehen, wie ich sie vorher noch nie erlebt habe. Es gab viele Poliopatienten – einige davon sehr jung. Die Kinder kamen im Rollstuhl in die Klinik. Ihre Eltern waren immer bei ihnen, um sie zu versorgen – dadurch konnten sie nicht arbeiten.
Mit dem richtigen orthopädischen Hilfsmittel können die Kinder selbstständig zur Schule gehen – und die Eltern haben wieder die Möglichkeit, zu arbeiten. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, die Freude in den Gesichtern der Kinder zu sehen, wenn sie plötzlich alleine gehen konnten.

Es braucht mehr Orthopädietechniker*Innenmehr Wissen, mehr Unterstützung, um Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen richtig versorgen zu können. Human Study vermittelt fundiertes Fachwissen und gute Praxis, damit Patientinnen die bestmögliche Versorgung erhalten und ihr Leben verbessern können.
Das ist unser Ziel: Menschen mit Behinderungen sollen aktiv am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können – zur Schule gehen, arbeiten, Familien gründen. Das stärkt nicht nur die Einzelnen, sondern auch den wirtschaftlichen Kreislauf eines Landes.
Wer Human Study unterstützt, hilft mit, dass es in diesen Ländern Fachkräfte gibt, die langfristig für Versorgung, Teilhabe und Perspektiven sorgen.

Ich möchte Human Study danken – dafür, dass sie mir das Selbstvertrauen gegeben haben, ein Teil dieses Teams zu sein. Heute habe ich eine starke Position in meinem Berufsleben: Ich leite die Qualitätsabteilung in unserem Versorgungszentrum und arbeite aktuell an der ISO-Zertifizierung. Unser Zentrum wird das erste in Afrika sein, das dieses internationale Zertifikat erhält.
Das ist das Ergebnis all der Anstrengungen von Human Study, weltweit gut ausgebildete Orthopädietechniker*innen auszubilden.

Ich kann wirklich kaum in Worte fassen, was ich für Human Study empfinde. Ich werde immer ein Teil davon sein. Sie unterstützen uns auf beeindruckende Weise – ganz gleich wann: morgens, abends, mitten in der Nacht – sie sind immer da, wenn wir Hilfe brauchen.
Sie sind absolute Profis mit großem Fachwissen im Bereich Orthopädietechnik.

Wenn man die Möglichkeit hat, sich weiterzuentwickeln, dann darf man nicht stehen bleiben. Früher habe ich einfach nur gearbeitet – aber mit Human Study schaut man ständig, wie man sich verbessern kann, wie man neue Projekte übernimmt.
In Tunesien gebe ich heute Workshops und Seminare. Manchmal unterrichte ich sogar Ärztinnen und Ärzte über Orthopädietechnik. Sie laden uns ein, Medizinstudierenden zu bestimmten Themen Unterricht zu geben – zum Beispiel über das diabetische Fußsyndrom.
Human Study hat mir das Selbstvertrauen gegeben, um auch Ärztinnen und Ärzte unterrichten zu können!

Human Studyhat mein Leben verändert.