Wir arbeiten mit einem „Train-the-Trainer“-Ansatz, der über unser speziell entwickeltes Blended-Learning-Programm vermittelt wird. Dabei kombinieren wir Online-Unterricht mit multimedialen Werkzeugen und Präsenzveranstaltungen mit praxisnahen Workshops und Prüfungen.
Wir haben unser Programm entwickelt, um die Ausbildung von Orthopädietechnikern in Ländern zu erleichtern, die von Krieg, Katastrophen, Armut und mangelnder Infrastruktur betroffen sind. Der Gründer von Human Study, Christian Schlierf, entwickelte diesen Ansatz aufgrund seiner Erfahrungen als Orthopädietechniker im Iran nach dem Erdbeben 2004 und in Südosteuropa nach dem Balkankrieg.
Human Study bietet auch spezialisierte Kurse in Prothetik und Orthetik – SCOPe – an, die zugänglich und flexibel sind.
Wir haben unsere SCOPe-Kurse auf der Grundlage eines innovativen Lehrplans entwickelt, um Orthopädietechniker dabei zu unterstützen, ihre vorhandenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, damit sie den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen in ihren Gemeinden wirksam begegnen können.
Mit SCOPe absolvieren Orthopädietechniker eine Reihe von kurzen, hochspezialisierten Kursen, während sie weiterhin berufstätig bleiben.
„Human Study kam in die Türkei und führte dort die Workshops durch, aber oft konnten die Studierenden nicht dorthin gelangen. Die Grenze war geschlossen, die Kämpfe waren heftig, und die Studierenden wurden zu Hause gebraucht. Wenn das passierte, bin ich für die Workshops in die Türkei gereist und danach wieder nach Syrien zurückgekehrt, um meine Kolleg*innen zu unterrichten. Human Study hat uns alles gegeben – die Plattform, das Material, alles, was wir brauchten, um das Wissen über unseren Kurs hinaus weiterzugeben. Sie erlaubten auch anderen, an den Online-Sitzungen teilzunehmen, selbst wenn sie nicht offiziell im Kurs eingeschrieben waren. So kam es, dass wir zwar nur acht Teilnehmende waren, aber manchmal 25 Leute online dabei waren. Ich habe die praktischen Prüfungen in der Türkei abgelegt und dann jeden einzelnen Kurs noch einmal in Syrien unterrichtet.“
ISPO Prosthetists Orthotists Luai Alhallaak (links) und sein Kollege Abdalraheem Alhaj Khalouf bei der Arbeit mit einem Patienten während des praktischen Teils ihres Studiums in Syrien.
Human Study arbeitet mit der Mahidol-Universität (Thailand) – Sirindhorn School of Prosthetics and Orthotics – zusammen. Absolvent*innen in unserem ISPO Prosthetist/Orthotist (vgl. Meister) Programm erhalten zusätzlich zur ISPO-Zertifizierung einen Bachelor-Abschluss (BSc). Dadurch können unsere Absolvent*innen schneller als Lehrer in der Ausbildung der nächsten Generation von Orthopädie-Techniker auf Associate-Level tätig werden, während Associate-Level-Absolventinnen (vgl. Geselle) wiederum Technikerinnen (vgl. angelernte Fachkraft) im Bereich Prothetik/Orthetik ausbilden. Jeder nach dem Human Study-System ausgebildete Prothetikerin/Orthopädietechnikerin bildet weitere Fachkräfte aus – so vervielfacht sich die Wirkung unserer Arbeit. Einige unserer Absolvent*innen des Bachelor Programms arbeiten später sogar selbst als Lehrende bei Human Study und geben ihr Wissen im Laufe ihrer Karriere an Hunderte von Studierenden in vielen verschiedenen Ländern weiter.
Wir vernetzen weltweit verteilte Studierende und Lehrende. Das Standardmodell der Orthopädie-Techniker Ausbildung erfordert, dass Studierende und Lehrende mehrere Jahre an einem Ort, meist einer Universität, anwesend sind. In den Programmen von Human Study können Lehrende und Studierende jedoch überall auf der Welt sein. Studierende treffen ihre Kolleg*innen und Lehrenden online. So können wir einige der besten Ausbilder*innen und Dozent*innen weltweit für die Ausbildung unserer Studierenden gewinnen. Der Input, den unsere Studierenden erhalten, ist unbezahlbar.
Obwohl die Ausbildung zum Orthopädietechniker/zur Orthopädietechnikerin Jahre dauert, hat unsere Arbeit einen direkten und unmittelbaren Einfluss auf die Verfügbarkeit und Qualität von Rehabilitationsdiensten für Menschen mit Behinderungen. Dank unseres Blended-Learning-Ansatzes können unsere Studierenden eine Unterrichtseinheit absolvieren und ihr neues Wissen und ihre Fähigkeiten sofort in den Rehabilitationskliniken anwenden, in denen sie arbeiten – zum Wohle ihrer Klienten – Menschen mit Behinderungen. So können unsere Bildungsprogramme schnell dazu beitragen, lokale Dienste weiterzuentwickeln und zu verbessern.
Durch die Minimierung von Reisen tragen wir dazu bei, den CO2-Fußabdruck der Orthopädie-Techniker-Schulung zu reduzieren. In den meisten Ländern der Welt gibt es keine ISPO-akkreditierten Schulen für Orthopädie-Technik, sodass angehende Orthopädietechniker*innen für ihr Studium ins Ausland reisen müssen. Unser Blended-Learning-Modell reduziert den Reisebedarf erheblich.
Blended Learning bietet auch in Ländern, in denen Reisen kein Problem ist, Vorteile: geringere Kosten. Dank minimaler Reise- und Arbeitsausfälle bleiben unsere Studierenden in ihren Rehabilitationskliniken und Werkstätten produktiv, leisten Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung und behalten gleichzeitig ihr regelmäßiges Einkommen während ihrer Ausbildung. Studierende, ihre Arbeitgeber, ihre Familien und ihre Klienten profitieren gleichermaßen.
Unsere Programme sind von der International Society for Prosthetics and Orthotics (ISPO) – der internationalen Organisation, die die weltweiten Standards für die P&O-Ausbildung festlegt, akkreditiert. In 75% der Länder gibt es keine ISPO-akkreditierten Ausbildungsprogramme. Human Study trägt dazu bei, dies zu ändern.
„Schon während dieses ersten Kurses haben wir gesehen, wie unglaublich es war, wenn sich nach unserer Schulung die Nachricht verbreitete. Wir lernten eine neue Technik, und lokale Partner, Ärztinnen und Krankenhäuser hörten davon, dass wir geschult worden waren – und die Zahl der Patientinnen, die zu uns kamen, stieg enorm. Nach jeder Schulung begannen wir, gezielt Menschen mit genau den Verletzungen zu behandeln, für die wir gelernt hatten, passende Hilfsmittel herzustellen und anzupassen. Die Nachricht sprach sich schnell herum, und die Zahl der Patientinnen nahm immer weiter zu. Das veränderte, wie andere NGOs und die medizinische Fachwelt uns wahrnahmen. Sie vertrauten uns und überwiesen Patient*innen mit gutem Gewissen an uns. Wir konnten nun mit allen Arten von Verletzungen arbeiten.“
Fatima Almubarak, ISPO Prosthetist Orthotist (jetzt Trainerin), Syrien