SEPP HEIM

Sepp Heim (1935 – 2019) war eine herausragende Persönlichkeit auf dem Gebiet der Orthopädietechnik.
Während seiner über sechzigjährigen Laufbahn hat Sepp maßgeblich dazu beigetragen, die Qualität orthopädischer und prothetischer Versorgung in zahlreichen einkommensschwachen Ländern zu verbessern – insbesondere durch die Einführung standardisierter und international anerkannter Ausbildungsprogramme.
In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (ehemals GTZ) war er federführend am Aufbau von Ausbildungszentren für Orthopädietechnik in Ländern wie Tunesien, Togo, Tansania, China (Wuhan), Pakistan, Vietnam, El Salvador, Marokko und Armenien beteiligt.

Von 2001 bis 2004 war Sepp Präsident der ISPO und engagierte sich über vier Jahrzehnte hinweg in zahlreichen Fachgremien und Ausschüssen.
Für seine außergewöhnlichen Verdienste um die Orthopädietechnik wurde er vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, dem Golden Bull Award der Volksrepublik China sowie der Georg-Hohmann-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie.
Sepp war ein hochgeschätztes Vorstandsmitglied von Human Study – und für viele ein großartiger Freund, kluger Ratgeber und inspirierender Mentor.

Human Study ist ein bedeutender Teil des außergewöhnlichen Vermächtnisses von Sepp Heim.
Unsere Organisation wäre heute ganz sicher nicht das, was sie ist, ohne Sepps wertvolle Ratschläge und seine selbstlose Unterstützung über all die Jahre.
Als wir Human Study ins Leben riefen, wandten wir uns an Sepp wie ein Kind, das in schwierigen Momenten Rat bei einem Elternteil sucht – wenn alles zu viel wird und man nicht weiß, welcher Weg der richtige ist.
Für uns war Sepp genau dieser Elternteil: Er ließ uns wachsen, gab uns Raum zum Lernen und war stets im Hintergrund da, wenn wir eine helfende Hand brauchten.

Ich hatte das Glück, Sepp Heim im Jahr 2001 in Mittelamerika kennenzulernen – vier Jahre bevor ich Human Study gründete.
Als Kollegen aus der deutschen Orthopädietechnik, die beide ihre berufliche Laufbahn diesem Fachgebiet gewidmet hatten, teilten wir viele Ansichten zur Weiterentwicklung und Ausbildung in der Orthopädietechnik.
Aus gegenseitigem Respekt und Sympathie entstand eine tiefe Freundschaft, die ich bis heute in liebevoller Erinnerung an meinen Freund sehr schätze.

Sepp hatte einen bemerkenswerten Antrieb.
Wir erinnern uns gerne an die Abende, die wir nach langen, arbeitsreichen Tagen gemeinsam verbrachten. Sepps Energie schien grenzenlos. Obwohl er deutlich älter war als die meisten von uns, konnte er stundenlang wach bleiben und mit einer Klarheit und Begeisterung über Arbeit, Leben und die Welt sprechen, die uns alle inspiriert hat.
Und am nächsten Morgen? Da war er der Erste im Frühstücksraum – mit einem verschmitzten Lächeln fragte er, ob wir schon erledigt hätten, was er uns am Vorabend aufgetragen hatte.

Heute fällt es schwer, an Sepp zu denken, ohne dass sich ein Kloß der Traurigkeit im Hals bildet und Tränen in die Augen steigen.
Es war eine große Ehre, diesen außergewöhnlichen Menschen persönlich gekannt zu haben.
Wir sehen es als unsere Aufgabe, Human Study auf dem Weg weiterzuführen, den Sepp für unsere Organisation mitgeprägt hat.
So bleibt seine Erinnerung lebendig.
Er lebt weiter – in jedem unserer Projekte und in jedem Erfolg, den wir erzielen.
Unsere Dankbarkeit ihm gegenüber ist grenzenlos.

Chris Schlierf

L to R: Sepp Heim, Dan Blocka, Chris Schlierf

IN ERINNERUNG AN SEPP HEIMvon Vorstandsmitglied Dan Blocka, ISPO-Präsident 2007 - 2010

In meiner beruflichen Laufbahn wurde ich oft gefordert – doch eine Würdigung für Herrn Sepp Heim zu schreiben, der so vielen Menschen Leben und Wohlbefinden geschenkt hat, ist eine besonders schwere Aufgabe.
Sepps Einfluss auf mich persönlich – als Kollege, Mentor, Vaterfigur und enger Vertrauter – war von höchster Bedeutung.
Die richtigen Worte zu finden, um Sepps Leben und seinen Beitrag zu unserem Berufsfeld und zur ISPO zu würdigen, ist eine Herausforderung, der man kaum gerecht werden kann.

Für jene in den ISPO-Kreisen und im Bereich der Prothetik und Orthetik, die es noch nicht erfahren haben:
Herr Sepp Heim verstarb plötzlich am 23. April 2019 in seinem Zuhause in Wangen im Allgäu – einen Tag vor seinem 85. Geburtstag.

Wie viele wissen, war Sepp Heim von 2001 bis 2004 Präsident der ISPO und diente der Gesellschaft über vier Jahrzehnte hinweg in zahlreichen Ausschüssen, Planungsgremien für Kongresse und Kursen sowie weiteren Funktionen.
Seine über 60-jährige Laufbahn in der Prothetik und Orthetik war geprägt von Hingabe und Engagement.
Auch nach seiner Zeit im ISPO-Vorstand (bis 2007) blieb er dem Beruf in vielfältiger Weise verbunden und war stets für viele von uns da, wenn Rat und Unterstützung gebraucht wurden.
Aus Sicht der ISPO ist es wichtig zu betonen: Sepps Einsatz und seine Loyalität gegenüber der Gesellschaft waren unvergleichlich.
ISPO ist heute ein besserer Ort – dank seiner Beiträge.

Sepps Geschichte in der Orthopädietechnik begann bereits in seiner Jugend, als er im Betrieb seines Vaters in Berlin arbeitete.
Nach Abschluss seiner Ausbildung strebte er nach Unabhängigkeit und beruflicher Identität und arbeitete in Hildesheim, Heidelberg und Paris – oft gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Gerhard Fitzlaff (ehemaliges ISPO-Vorstandsmitglied).
Später führte ihn sein Weg nach Frankfurt, wo er seinen deutschen Meistertitel in Prothetik und Orthetik erlangte.
Schließlich kehrte er nach Berlin zurück, um erneut im väterlichen Betrieb zu arbeiten.
Ich spürte oft, dass die Zusammenarbeit mit seinem Vater für Sepp nicht einfach war – und ich glaube, genau deshalb zog es ihn in den Folgejahren ins Ausland.
Mindestens zweimal erzählte er mir mit großem Respekt von seinem Vater und dessen beeindruckender Karriere während des Zweiten Weltkriegs, sowie von dessen Verbindung zum berühmten Chirurgen Dr. Sauerbruch.
Auch wenn das Verhältnis zwischen Vater und Sohn nicht immer einfach war, höre ich ihn noch sagen – mit leicht genervtem Ton:
„Wegen meinem Vater muss ich das alles machen.“

Um 1966 herum entschied sich Sepp, mit seiner Familie nach Tunesien zu ziehen – ein Wendepunkt, der den Beginn einer außergewöhnlichen Reise markierte.
Dort übernahm er eine Position bei der GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit).
Durch diese Rolle begann seine Vision von hochwertigen Prothetik- und Orthetik-Diensten in Entwicklungsländern – basierend auf standardisierter und anerkannter Ausbildung – Gestalt anzunehmen.
In Tunesien entstand das erste Ausbildungszentrum, dem viele weitere folgten – entweder direkt durch Sepp oder durch jene, die er als Mentor begleitete.
Bemerkenswert ist, dass Sepp Jahrzehnte später maßgeblich daran beteiligt war, dass Human Study ein Ausbildungsprogramm in Tunesien etablierte – ein großer Erfolg, der viele Fachkräfte nach ISPO-Standard ausbildete.

Sepps Arbeit setzte sich in weiteren GTZ-Projekten fort:
In Togo (1974), Tansania (1981) und Wuhan, China (1993).
1987 übernahm er für drei Jahre die Leitung der BUFA (Bundesfachschule für Orthopädie-Technik) in Dortmund.
Später war er über die GTZ an der Gründung weiterer Ausbildungsprogramme in Pakistan, Vietnam, El Salvador, Marokko und Armenien beteiligt.
In dieser Rolle begleitete Sepp viele Kolleg:innen und beriet Entscheidungsträger in Ministerien und Verwaltungen.
Bis zuletzt pflegte er enge Beziehungen zu ehemaligen Schüler:innen und jenen, die er unter seine Fittiche genommen hatte – viele von ihnen wurden selbst zu Führungspersönlichkeiten und Vorbildern.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die offiziellen Ehrungen, die Sepp erhielt:
Das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland (1986),
den Golden Bull Award der Volksrepublik China (1996)
und die Georg-Hohmann-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (2001) – als Anerkennung für seine Verdienste um die Orthopädie.

Viele von uns in der ISPO haben ihre ganz eigenen Sepp-Heim-Geschichten – und wissen um seinen enormen Einfluss auf die Welt der Prothetik und Orthetik.
Ich könnte viele erzählen.
Besonders hervorheben möchte ich seine unermüdliche Forderung nach international anerkannten Standards – sowohl für Fachkräfte als auch für die Versorgungssysteme.
Ich habe selbst erlebt, wie er mit diesen Standards Entscheidungsträger und Regierungsvertreter überzeugte, die Qualität der Versorgung zu verbessern – damit Menschen, die auf Prothesen und Orthesen angewiesen sind, auf ein verlässliches und kosteneffizientes System bauen können.

Aus persönlicher Sicht war meine über zwanzigjährige Reise mit Sepp Heim eine außergewöhnliche Erfahrung.
Gemeinsam reisten wir an viele Orte, um die ISPO-Vision voranzubringen.
Dabei lernte ich, wie man führt, Beziehungen aufbaut und seinen eigenen Stil entwickelt – und wurde von Sepp stets ermutigt, meinen eigenen Weg zu gehen.
Gleichzeitig stellte er mich auch in den richtigen Momenten in meine Schranken.
Er bereitete mich hervorragend auf meine eigene ISPO-Präsidentschaft vor.
Er war einer meiner wichtigsten Mentoren und ein Vater der Orthopädietechnik – und ich werde ihm für so vieles ewig dankbar sein.
Was für ein großartiger Mensch Sepp war – und das Vermächtnis, das er hinterlässt, muss von der nächsten Generation weitergetragen werden.

Ein letzter Aspekt, der unbedingt erwähnt werden muss, ist die lebenslange Unterstützung, die Sepps Ehefrau Imogen ihm – sowohl familiär als auch beruflich – stets selbstlos zukommen ließ.
Ohne sie wären viele seiner Errungenschaften nicht möglich gewesen.
Sepp hinterlässt nicht nur seine Frau Imogen, sondern auch seine Söhne Ekkehard, Winfried und Joachim, seine Schwiegertöchter Katrin und Susan sowie seine beiden Enkelinnen Caroline und Isabel.

Zum Abschluss erinnere ich mich gerne an meinen letzten Besuch bei ihm und Imogen im Mai 2018 in ihrem Zuhause in Südwestdeutschland.
Unsere Gespräche waren wie immer tiefgründig und herzlich.
Und bei diesem Besuch sagte er wieder einmal zu mir:
„Ohne Engagement im Leben, Dan, gibt’s nicht mehr viel, wofür sich’s lohnt.“
Dieser Satz bringt Sepp auf den Punkt – und beschreibt, wer er wirklich war.